Bahntraining – der Turbo für den Wettkampf

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Ein Artikel von Dipl.-Sportlehrer Markus Weber

Warum für das Training auf eine Tartanbahn gehen und 400m-Runden laufen, wenn der Wettkampf dann tatsächlich auf der Straße oder gar auf einem geschotterten Weg oder Trail stattfindet?

Wir sind doch keine Leichtathleten, die mit ihren Kurz- und Mitteldistanzen ja direkt auch auf ihrer Wettkampfstrecke trainieren.

Auch für Langstreckenläufer macht es durchaus Sinn, in der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung das gewohnte Terrain zu verlassen und gerade für die schnellen Einheiten auf die Bahn zu gehen. Das wird umso wichtiger für den ambitionierteren Läufer, der z.B. Halbmarathonzeiten unter 1:45 h und Marathonzeiten unter 3:30 h anstrebt. Durch die Intervalle entwickelt er eine gute Tempohärte und Stehermögen, um die gesamten 21,2 oder 42,195 Kilometer auch in seinem angepeilten Lauftempo durchhalten zu können. Bei den etwas gemütlicheren Läufern, die erst nach 2:00 h und mehr beim Halbmarathon oder nach 4:00 h und mehr beim Marathon ins Ziel eintrudeln, hat das Bahntraining ebenfalls einen wichtigen Stellenwert.

Denn bei diesen Läufern ist der häufigste Anfängerfehler, dass sie sich das Rennen vom Tempo her falsch einteilen: Oft läuft man am Start mit der aufgescheuchten Masse mit, stellt aber nach einigen Kilometern erst fest, dass man bisher viel zu schnell gelaufen ist. Die zunächst herrschende Freude über das Polster, das man sich auf die angepeilte Zielzeit herausgelaufen hat, weicht dann zumeist dem „Mann mit dem Hammer“, der einen 5 km vor dem Zieleinlauf heimsucht. Daher ist es die wichtigste Aufgabe des 4:00 h-Marathon-Zielzeit-Anpeilers, zu lernen, mit 10,5 km/h bzw. einem Schnitt von 5:40 h möglichst konstant zu laufen.

Wie sieht nun so eine typische Einheit auf der Bahn aus?

Laufe Dich zunächst einmal locker 5-10 min warm. Danach kannst Du Übungen aus der Laufschule bzw. des Lauf-ABC´s machen: das wären z.B. Skippings (Fußgelenkarbeit), Kniehebeläufe, Anfersen, Seitwärtslaufen mit Anstellen und Überkreuzen, Hock-Streck-Sprünge etc.; diese Übungen – regelmäßig in Deinem Läuferalltag eingesetzt – verhelfen Dir zu einem ökonomischen Laufstil und kräftigen gleichzeitig Deine laufspezifische Muskulatur. Zudem wird die neuromuskuläre Ansteuerung optimiert, also das Zusammenspiel zwischen Nerv und Muskel, wodurch Du dann optimal auf die bevorstehenden intensiven Inhalte vorbereitet bist. Stretching, also gehaltenes Dehnen, empfiehlt sich in dieser Phase nicht, da es den Muskel detonisiert, also die Grundspannung herabsetzt, was bei anschließenden schnellen Einheiten nicht von Vorteil ist.

Dann kommen die eigentlichen Intervalle: Distanzen von 200 und 400m, also eine halbe oder ganze Runde auf der Bahn, wird gerne bei den Mittelstrecklern genutzt. Aber auch Langstreckler, vor allem die mit hoher aerober Kapazität und wenig anaerober (was über eine Leistungsdiagnostik herauszufinden ist), profitieren von diesen schnellen harten Intervallen. Gerade für diese Gruppe wirken diese „Schnelligkeitsspritzen“ wie ein Turbo für den Wettkampf. Langstreckenläufer bedienen sich gerne Intervallen mit 800 und 1.000 m, also 2-2,5 Runden, die Marathonis gerne auch längere wie 1.500, 2.000 oder gar 3.000 m. Weitere Möglichkeiten für ein Bahntraining sind Pyramidenläufe (2-4-6-8-6-4-2 min-Intervalle), Tempoläufe und Steigerungen. Das Auslaufen wird idealerweise barfuß und auf dem Rasen gemacht, um zum Ende der Einheit die heiß gelaufenen Fuße zu erfrischen und gleichzeitig die Fußmuskulatur zu kräftigen. Danach kannst Du dehnen; jetzt macht das Stretching nämlich Sinn, um die Muskulatur zu entspannen.

Die Laufgeschwindigkeit wird beim Intervalltraining mit der Durchgangszeit gesteuert.

Macht also ein Marathoni (der seine Laufgeschwindigkeit für die 3:30er Zielzeit üben möchte) ein Intervalltraining mit 6x 1.000m in einem 5:00er Pace, so rennt er am Startpunkt der 400 m-Bahn los und startet zeitgleich seine Stoppuhr. Nach einer halben Umrundung sollte seine Stoppuhr 1:00 min anzeigen. Erneut angelangt bei der Startmarke sieht er dann 2:00 min auf dem Display seiner Uhr etc. Nach 2,5 Runden hat er sein erstes Intervall geschafft, dann trabt er ganz locker 200 m weit zu seinem Startpunkt. Danach startet er seine Stoppuhr erneut und los geht´s mit den nächsten 1.000er. Wenn er das Tempo nicht mehr halten kann, also beispielsweise beim geforderten Lauftempo von 5:00 min/km bzw. 2:00 min auf 400 m nach einer Runde erst nach 2:15 min durch den Startpunkt läuft, sollte er das Intervalltraining beenden.

Warum macht es beim Intervalltraining keinen Sinn, nach Puls zu trainieren?

Die Herzfrequenz steigt erst mit zeitlicher Verzögerung an; damit wird die Zielfrequenz je nach Intervalllänge erst zum Ende des Intervalls oder erst gar nicht erreicht.

Fehlende Ausbildungsreife wegen mangelnder Sozialkompetenzen … eine neue Erscheinung unserer Jugend?

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Ein Artikel von Dipl-Sportlehrer Markus Weber

Ist unsere Jugend eine neue Generation? Es ist nicht neu, dass Erwachsene über die verwahrloste Jugend schelten, das prägte doch jedes Jahrhundert. Aber die Aussagen und Schilderungen eines Mitglieds des Prüfungsausschusses der Kreishandwerkerschaft Bonn-Rhein-Sieg wirft ein paar Fragestellungen auf:

„Vielen Jugendlichen gelingt es hervorragend, die Initiative zu ergreifen, sich ein Bild von den Berufen zu verschaffen, die eigenen Interessen und Fähigkeiten zu erfassen, und systematisch auch mit Hilfe des Elternhauses, der Lehrerschaft, der Berufsberater usw. erfolgreich eine Berufsausbildung zu starten, durchzuführen und abzuschließen“.

Diesen zunächst positiven Ausführungen folgte jedoch direkt die große Einschränkung:

„Aber nicht wenigen Jugendlichen gelingt der Berufseinstieg trotz der vielfältigen Informations- und Fördermöglichkeiten nicht. Aus unserer Sicht sind als unmittelbare Ursachen in erster Linie ein fehlender qualifizierter Schulabschluss, Orientierungslosigkeit, fehlender Ehrgeiz, Antriebslosigkeit, Interessenlosigkeit, mangelnde Kommunikation, fehlendes Selbstwertgefühl, fehlende Aufgeschlossenheit oder schlechte Umgangsformen festzustellen … Abbruchursachen sind fehlendes Durchhaltevermögen, mangelhafte Integrationsbereitschaft, falsche Vorstellung vom Beruf oder schlichtweg eine Überforderung.“

Es gibt inzwischen viele Projekte für Berufseinsteiger und Azubis, diesen Erscheinungen entgegenzuwirken. Diese Projekte arbeiten aber nur an Symptomen; es müssen vielmehr die Ursachen dieser psychischen Reifedefizite ergründet werden. Warum fehlen so vielen Jugendlichen jegliche Sozialkompetenzen? Leben sie nur rein lustorientiert, nur im Moment, verschwendet keinen Gedanken an morgen, sind nicht in der Lage, Verantwortung zu übernehmen, weder für sich noch für andere Menschen, weder in privater Beziehung noch im beruflichen Kontext? Fordern sie wie im Kindesalter stets alles für sich ein und belasten damit den sozialen Frieden? Entsteht hier eine tickende Zeitbombe für unsere ganze Gesellschaft?

Nach Winterhoff und Thielen sorgen Beziehungsstörungen im Kindes- und Jugendalter dafür, dass viele Heranwachsende beim Eintritt ins Berufsleben große Probleme haben, die bei einer gesunden psychischen Reifeentwicklung nicht auftreten würden. Kinder bleiben keine Kinder, sie werden Jugendliche, Jugendliche werden Erwachsene und sie müssen irgendwann ins Arbeitsleben eintreten. Um arbeiten zu können, bedarf es aber vielfältiger psychischer Funktionen, deren Vorhandensein durch die Störungen in der Beziehung zwischen Eltern, Erziehern, Lehrern und Kindern nicht mehr selbstverständlich vorausgesetzt werden kann.
Als Kernproblem unserer heutigen Zeit sehen die Autoren den Verlust an Ruhe und entlastender Langsamkeit. Wenn das Problem der mangelnden Ausbildungsreife aus ganzheitlicher Sicht angegangen werden soll, dann müsste nach deren Meinung vor allem die Entwicklung im Kindesalter als Keimzelle für das Erwachsenenleben in den Blick genommen werden; das Verhalten der Eltern in Bezug auf die psychische Entwicklung der Kinder steht dabei für sie im Fokus. Die Eltern sind einem hohen Tempo, das uns die Gesellschaft aufbürdet, ausgesetzt. Und den Beeinflussungen dieses Systems kann man sich nicht komplett entziehen. Diesem hohen Tempo folgt häufig ein zunehmender Sinnverlust, und das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Psyche, auf das Verhalten und die Beziehung gegenüber unseren Kindern.

Wie kann man dem entgegenwirken?

Im idealen Fall kann man „Entschleunigung“ suchen, da mit der Entdeckung der Langsamkeit wieder neue Sinnhorizonte in den Blick treten können. Denn die Suche nach einem Sinn im Leben, nach einem intuitiv als richtig erkannten Verhalten braucht Zeit und Ruhe, genauso wie sie die Begleitung von Kindern erfordert. Beziehungen zwischen Eltern und Kindern geraten immer dann in Gefahr, wenn Hektik und Überforderung auf den Plan treten. Winterhoff und Thielen* resümieren, dass

„eine bewusste Entschleunigung geeignet wäre, Eltern-Kind-Beziehungen stabil zu halten, weil dann das elterliche Verhalten selbst in sich ruht.“

Nun denn, geben wir uns die Zeit und Muse, in unserem Verhalten zu ruhen, einen Sinn für uns zu finden und diese Gabe letztlich an unsere Kinder weiterzugeben. Suchen wir Bewegungsinhalte mit ihnen, um ihre physische und psychische Reifeentwicklung anzustoßen, zu fördern und zu begleiten.

In diesem Sinne grüßt euch das Team der Diagnostikzentren!

 

*Winterhoff, M., Thielen, I.: „Persönlichkeiten statt Tyrannen. Gütersloh 2010.

Das Training am Berg – Technik bergauf/bergab

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Ein Artikel von Dipl.-Sportlehrer Markus Weber

Das Voralpenland ist ideal für ein Berglauftraining, lädt die herrliche Landschaft doch meist für ein Läufchen am Berg ein. Doch auch weniger exponiertes Gelände, in dem sich Steigungen von 200-500 m finden lassen, ist dazu geeignet, Abwechslung ins Training zu bringen. Oft machen wir aber die Erfahrung, dass die Leute eher klagen als den Wohlgenuss des profilierten Geländes sehen. Denn bei vielen ist der Puls bei Anstiegen sofort am Anschlag.

Die Voraussetzung, gut am Berg laufen zu können, ist eine gute Grundlagenausdauer.

Hat die Muskulatur also durch das bisherige Training nicht die Fähigkeit erworben, effektiv auf das Unterhautfettgewebe zugreifen zu können, weil – wie so häufig – das Lauftraining in der Ebene vom Puls her schon zu hoch ist, so wird jede Steigung weiterhin eine Qual bleiben.

Um gut am Berg laufen zu können, ist eine hohe aerobe Kapazität bzw. Grundlagenausdauer das A und O.

Hast Du diese bereits erworben, so bereite Dich auf das Bergtraining vor, indem Du in der Ebene auch mal Wege abseits läufst und so aus der Monotonie Deines bisherigen Trainings ausbrichst. Laufe querfeldein, durch Wälder, springe über Pfützen, Bäche, Wurzeln und Äste. Das schult in idealer Weise Deine Koordination, also das Zusammenspiel Deiner Muskelgruppen und -fasern.

Wagst Du Dich dann an den Berg, so ist das Bergauflaufen eine hervorragende Möglichkeit, Deine Beinmuskulatur schonend zu kräftigen. Hier werden vor allem Deine Wadenmuskulatur, die vordere Oberschenkelmuskulatur und die tiefe Rückenmuskulatur trainiert. Vorsicht ist bei Achillessehnenbeschwerden geboten, da beim Bergauflaufen durch die Vordehnung die Wadenmuskulatur besonders beansprucht wird. Das Bergtraining wird häufig dazu genutzt, sich auf harte Trainingsphasen in der Ebene mit Intervallen und Tempotraining vorzubereiten.

Viele ambitionierte Freizeitsportler, die vielleicht schon den einen oder anderen (Halb-) Marathon hinter sich gebracht haben, suchen Abwechslung oder eine neue Herausforderung. Gerade im Voralpenland locken eine Menge an gut organisierten Bergläufen. Es zeigt sich, dass die Erholungsphasen nach Bergläufen aufgrund der geringeren Beanspruchung des passiven Bewegungsapparats deutlich kürzer sind.

Scheue Dich also nicht davor, die schönen Gipfel zu erklimmen, bereite Dich aber gut darauf vor!

Fast alle Bergläufe haben im Wettkampfprofil ausschließlich Berglaufstrecken. Doch in der Vorbereitung darauf musst Du natürlich die erklommenen Bergstrecken auch wieder hinunterlaufen, wenn Du nicht gerade die Bergbahn nutzen möchtest. Hier ist Vorsicht geboten, da hier hohe Belastungen des passiven Bewegungsapparats auftreten. Ist es Deine Muskulatur nicht gewohnt, im bergigen Gelände zu laufen, solltest Du diese allmählich daran gewöhnen. Mit ein wenig Erfahrung kann das Bergablaufen aber ganz gezielt als Koordinationstraining genutzt werden: Laufe dazu Bergabstrecken mit einer sehr hohen Schrittfrequenz, indem Du viele kleine Schritte machst. So wird sogar das Bergablaufen hochanstrengend und die Gefahr des Umtretens ist deutlich geringer, die Aufprallkräfte deutlich niedriger und die Koordination Deiner Muskulatur wird in hohem Maße geschult!

Vorsicht aber bei Ermüden der Beine: lege in dem Fall eine kurze Gehpassage ein!

Cola und Chips – Junk Food für den Bildschirm

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Ein Artikel von Dipl.-Sportlehrer Markus Weber

Macht der Bildschirm unsere Kinder und Jugendlichen dick?

Eigentlich kein Geheimnis mehr und in Studien bereits vielfach belegt, dass zu viel Fernsehen in jedem Alter ungesund ist und sogar die Mortalität, also die Sterberate, erhöht. Und das gilt nicht nur für den Fernseher, sondern für Bildschirme jeder Art, also auch Playstation, PC und das „Zocken“ mit dem Handy.

„Je mehr Grundschüler vor dem Fernseher hocken oder bei Videospielen verbringen, desto dicker sind sie“,

zeigt eine Querschnittstudie in Obesity Resaerch bereits 2004 (12, 896 ff). Eine dänische Studie zeigte 2011, dass die Wahrscheinlichkeit für Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall bereits ab 2 Stunden Fernsehen erhöht ist. Ungeklärt blieb in der Studie, ob das erhöhe Risiko allein durch das längere Sitzen und stundenlange „chillen“ verursacht wird und/oder ob die Effekte durch das nebenbei noch Essen von Chips, Gummibärchen oder sonstigen Süßigkeiten sowie durch Trinken von Cola und anderen Soft- und Energy-Drinks (mit-)verursacht werden.

Kindern und Jugendlichen ist es häufig einerlei, welche Krankheiten in ferner Zukunft auf sie zukommen werden.

Eine Argumentation mit den kardiovaskulären Risiken des Fernseh- und Chips-Konsums ist hier sicherlich nur wenig zielführend. Nichtsdestotrotz geht es natürlich darum, die Bildschirmzeit auf ein sinnvolles und für das Kind und den Jugendlichen erträgliches Maß zu bringen; und natürlich geht es auch darum, Chips und Cola z.B. gegen gesündere Alternativen wie z.B. Nüsse / Trockenfrüchte und Wasser auszutauschen.

Laufen bei Hitze

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Ein Artikel von Dipl.-Sportlehrer Markus Weber

Sehnsüchtig wird im Frühjahr die Zeit erwartet, wenn es endlich wieder Sommer wird und warme Temperaturen kommen.

Doch dann nach kühlen Frühjahrstagen kommt es wie ein Hammer:

Die Sonne brennt gleisend auf die Erde, das Thermometer steigt rasant in unermessliche Höhen und die ungewohnte Hitze quält uns durch den Alltag. Dann auch noch Laufen?

Viel und heiß wird diskutiert, wenn Laufveranstalter ihre Wettkämpfe jetzt im Sommer austragen und eine Hitzewelle anrollt. Kann man es den Teilnehmern zumuten, unter diesen Temperaturen zu laufen? Selbst bei Frühjahrsveranstaltungen, bei denen es unerwartet zu milden und warmen Temperaturen um die 20 °C kommt, sieht man häufig, dass die Teilnehmer bei hoher körperlicher Belastung noch nicht gut mit der Wärme umgehen können. Viele plagen sich mit Krämpfen oder kollabieren gar am Streckenrand. Es gibt aber einen Trainingseffekt, denn der Köper passt sich allmählich an das Laufen bei höheren Temperaturen und Hitze an.

Aber macht es denn Sinn, sich auch im Training der Hitze auszusetzen?

Oder soll der Sportler lieber in seinem Keller auf dem Laufband oder im gut klimatisierten Studio joggen? Denn gleichzeitig wird über die Ozonbelastung diskutiert, deren man sich durch Indoor-Training entziehen könnte. Oder spätabends laufen? Aber liegt der Sportler dann nicht im Bett und tut kein Auge zu, da sein Kreislauf noch auf Touren ist? Oder lieber frühmorgens den Wecker auf 4.00 Uhr stellen und loslegen? Gerade jetzt ist es zu dieser Uhrzeit fast schon hell, so dass man nicht mal eine Stirnlampe bräuchte.

Es gibt natürlich Alternativen, der Hitze zu entgehen.

Das ist einerseits das Indoor-Training in klimatisierten Räumen, wobei hier das Lauferlebnis zweifelsohne auf der Strecke bleibt. Zudem bleibt die Melatonin-Ausschüttung zur Regulation des Wach-Schlaf-Rhythmus weitgehend aus. Auch die für die Gesundheit so wichtige Vitamin-D-Produktion durch Sonnenlicht (siehe unseren Post vom Mai 2015) geht durch Indoor-Training verloren. Um die guten Bedingungen und Effekte draußen zu nutzen und sich doch einer nur moderaten Sonneneinstrahlung auszusetzen, kann ein Teil der Strecke in den Wald verlegt werden: so kannst Du im kühlen Schatten Deinen Lauffreuden frönen. Das ist sicherlich die bessere Variante als Sonnencremes, die mitunter die Poren verstopfen und das vor allem im Sommer wichtige Schwitzen behindern.

Natürlich muss der Körper allmählich an das Training bei hohen Temperaturen herangeführt werden.

Das ist nicht einfach, wenn nach ein paar kalten Tagen die Hitzewelle schlagartig anrollt. Doch durch eine Reduktion des Trainingsumfangs (= Dauer der Einheit bzw. gelaufene Strecke herabsetzen) sowie der Intensität (= laufen in niedrigeren Pulsbereichen) wird der Körper nicht überlastet und wird sich zügig an die Hitze adaptieren. Bereits nach einigen Tagen wirst Du bemerken, dass Du besser mit der Hitze umgehen kannst. Zeigen sich allerdings Kopfschmerzen, Heiß-Kalt-Schaudern, Magenschmerzen oder Krämpfe, war es evtl. auch zu viel mit dem Laufen in der Sonne. Sollte es Dir beim Laufen draußen zu heiß werden, kann als Alternativtraining (oder ergänzend zur Abkühlung) dann das Freibad herhalten. Einige Bahnen im kühlen Nass tun gut und geben ebenfalls einen hervorragenden Trainingseffekt. Auch eine Radrunde, die ja mehr Fahrtwind und damit eine bessere Abkühlung bietet, eignet sich an heißen Tagen gut als Alternative zum Laufen.

„Hitzetraining hilft nicht nur, besser mit hohen Temperaturen umzugehen, sondern steigert auch die Leistung bei kühleren Bedingungen“,

so das Fazit von Hutchinson auf der Jahreskonferenz der Canadian Academy of Sport & Exercise Medicine. Das Hitzetraining regt zum einen die Blutplasmaproduktion an. Der Körper bildet sozusagen ein körperinternes höheres Flüssigkeitsdepot, indem er sein Blut dünnflüssiger macht. Gleichzeitig gibt die Niere weniger Urin ab und die Schweißproduktion wird effektiver. In einer neuseeländischen Studie zeigte sich eine Steigerung des Blutplasmas um 4,5 %, und das bereits nach 5 Tagen, nachdem Ruderern ein Training mit 90 min pro Tag bei Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit gegeben wurde. Eine Studie aus Oregon ergab sogar einen Effekt von 6,5 %. Hier trainierten Radfahrer zur Gewöhnung an Hitze 10 Tage lang jeweils 100 min bei hohen Temperaturen. Spannend war bei der Studie, dass sich neben der Hitzegewöhnung gleichzeitig ein leistungssteigernder Effekt ergab. Die maximale Sauerstoffaufnahme lag nach der Maßnahme um 5 % höher. Im Leistungssport wird das Hitzetraining gerne auch mit einem Höhentraining kombiniert, da hier auch noch die Bildung roter Blutkörperchen angeregt wird. So sind die Athleten dann optimal auf Wettkämpfe vorbereitet.

Unser Fazit: Setze Deinen Körper ruhig auch mal trainingsbedingten Belastungen aus, die er nicht gewohnt ist. Erfahrungsgemäß bringt dies eine gute Anpassung.

Literatur:
1) Medicine and Science in Sports & Exercise, 2010, Bd. 42 (2), S. 226–232
2) Stahmer, B., Stahl, R.: internist praxis 2012; 52:501-507
3) Blau, J.: „Water Deprivation: A New Migraine Precipitant“. Headache. 2005 Jun; 45 (6): 757-759
4)
www.medicalsportsnetwork.com/archive/910400/Mental-fit-durch-Erhoehung-der-Trinkmenge-um-1-Liter-am-Tag.html

Der Einfluss des Sports auf zwischenmenschliche Kompetenzen des Jugendlichen

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Ein Artikel von Dipl.-Sportlehrer Markus Weber

Wird die Persönlichkeitsentwicklung durch sportliche Aktivitäten beeinflusst?

Nutzt der Schul- und Vereinssport oder sportliche Betätigung in der Freizeit ohne institutionelle Bindung dem Heranwachsenden, um nicht nur körperliche Fitness zu erlangen, sondern auch geistige Reife? Dieser Fragestellung ging Prof. Ulrike Burrmann vom Institut für Sport und Sportwissenschaft der TU Dortmund in einigen wissenschaftlichen Studien nach; dabei verglich sie ihre Arbeiten auch mit anderen Studien.

Grundsätzlich stellen die Befürworter der Sozialisationswirkung des Sports (= die Wirkung des Sports auf die Entwicklung des Jugendlichen zum selbständig und frei handelnden Menschen) fest, dass Aggressionen durch sportliche Aktivität bearbeitet und abgebaut, zudem Regeln erlernt und akzeptiert sowie personale Ressourcen beim Umgang mit Belastungssituationen gestärkt werden.

Daraus folgt, dass sportlich Aktive besser mit Stress und schwierigen Gegebenheiten umgehen können.

Die Skeptiker verweisen darauf, dass in sportlichen Situationen unfaire und aggressive Verhaltensweisen in Erscheinung treten und wohl auch gestützt werden sowie vor allem im Hochleistungssport physische und psychische Belastungen auftreten. Aber gerade letztere wollen wir jetzt außer Acht lassen, es geht hier um freizeitsportliche Aktivitäten von Jugendlichen.

Sygusch und Burrmann zeigen in den Befunden aus Querschnittstudien, dass sportlich aktive Heranwachsende weniger häufig über psychosomatische Beschwerden klagen. Zudem besitzen sie eine höhere Lebensfreude und eine geringere Ausprägung für depressive Verstimmungen. Ein wichtiges Merkmal ist vor allem, dass aktive Jugendliche „positivere Ausprägungen des Selbstkonzeptes“ und „eine ausgeprägtere Selbstwirksamkeitserwartung“ besitzen; letzteres bedeutet, dass der Jugendliche von sich selbst überzeugt ist, dass er in einer bestimmten belastenden Situation eine angemessene Leistung erbringen kann. Und genau dieses Gefühl des Jugendlichen bezüglich seiner Fähigkeiten beeinflusst wiederum seine eigene Wahrnehmung, seine Motivation und seine Leistung auf vielerlei Weise. Das Selbstkonzept umfasst die Wahrnehmung und das Wissen um die eigene Person; dazu gehört für den Jugendlichen das Wissen über persönliche Eigenschaften, Fähigkeiten, Vorlieben, Gefühle und Verhalten. Ist das nicht eine wertvolle Eigenschaft für einen pubertierenden Teenager?

Auch Manfred von Richthofen bricht eine Lanze zur Persönlichkeitsentwicklung im Vereinssport:

„Wir lernen hier nicht nur, wie man seine körperlichen Kräfte steigern, Geschicklichkeit verbessern und über sich hinauswachsen kann. Wir lernen auch Niederlagen einzustecken, Regeln zu achten und uns für ein gemeinsames Ziel einzusetzen. Freundschaften bilden sich hier heraus, die häufig ein Leben lang halten.“

Der Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung aus 2005 konstatiert zu diesem Thema auf Seite 243: „Dem Sport wird insgesamt eine maßgebliche Bildungswirksamkeit zugesprochen, die zunächst die unmittelbar körperbezogenen Kompetenzen (Körpererfahrung, -ästhetik, -ausdruck), aber auch nicht unmittelbar sportbezogene Kompetenzen im sozialen, politischen und kognitiven Bereich einschließt (Teamfähigkeit, Selbstvertrauen, Selbstorganisation, Verantwortungsfähigkeit).“

Wenn das nicht wertvolle Schlüsselqualifikationen für den Jugendlichen sind, die seine geistige Reife zeigen!

Also los zum Sport – am besten mit Deinen / Euren heranwachsenden Sprösslingen!

Achillessehne schmerzt: was tun?

#sportlerfrage

Ein allseits bekanntes und lästiges Problemfeld bei vielen Läufern: die Achillessehne!

Wichtig ist hier einerseits regelmäßiges und intensives Dehnen, vor allem postisometrisch, also zuerst kurz anspannen und dann anschließend dehnen. Das nimmt Spannung aus der Wadenmuskulatur, was die Achillessehne zusätzlich reizen kann. Weitere Maßnahmen wären Physiotherapie mit Friktionen (Massagen), Kaltanwendungen und Ultraschall. Im Extremfall kann auch Kortison gespritzt werden. Auch die Laufschuhwahl beeinflusst die Statik und damit die Achillessehne nicht unerheblich.

Letztendlich muss man sich natürlich immer fragen, ob die Trainingsumfänge zur Belastbarkeit passen. Wenn es des Guten zu viel war, wehrt sich der Körper, und das kann sich in Form einer Achillessehnenentzündung äußern. Laufe also zunächst mit deutlich reduzierten Umfängen und weiche auf Parallelsportarten aus (Rad, Schwimmen, Aquajogging etc.), um die Achillessehne zu schonen und keine Chronifizierung zu provozieren. Unterstützend können auch Gelenknährstoff-Präparate dienen (Ackerschachtelhalm, Chonsamin, Kollatin), da diese die
Entzündungswerte senken und den passiven Bewegungsapparat stärken können.