Langsam, locker, lange oder kurz, kräftig, knackig (HIT) ?

Seit geraumer Zeit mehren sich die Schlagzeilen, dass mit hoher Trainingsintensität selbst bei Langstreckendisziplinen hervorragende Trainingsreize gesetzt und Leistungen verbessert werden können. Angewendet wird dieses Trainingsprinzip gerne von Sportlern, die beruflich immer mehr eingespannt sind und für hohe Trainingsumfänge keine Zeit mehr haben. Sie fahren infolge davon die Trainingskilometer zurück und erhöhen im Gegenzug die Intensität. Heiß diskutiert wird in diesem Zuge das Thema „HIT“ oder „HIIT“ – also hoch intensives Intervalltraining – als einer für den Langstreckensportler sonst ungewöhnlichen Trainingsmethode.

Sind die Effekte, die manche Sportler durch diese Trainingsumstellung erreichen, aber auf alle übertragbar?

Die HIT-Methode kommt ursprünglich aus dem Kraftsport. Hier wird durch maximale Belastungen ein Kraftanstieg erreicht, das einen deutlichen Zugewinn an Muskelumfang bewirkt. Harte Intervalle an der Belastungsgrenze wurden beim Ausdauertraining bisher vor allem bei Kurzstrecklern angewandt, die natürlich durch maximal schnelle Einheiten eine Steigerung ihrer Schnelligkeit bewirken. Die Frage ist nur, ob diese Intervalle, die bis an die Leistungsgrenze gehen, auch in Ausdauersportarten angewandt werden sollen, und ob dies für alle Sportler und gleichermaßen auch für Sporteinsteiger gilt? Zweifelsohne haben manche Sportler, die durch zeitliche Engpässe das Training umstellen, hier gute Erfolge erreicht.
Wir hatten in den Diagnostikzentren bereits einige Fälle, die mit diesem Trainingsprinzip gute Wettkampfergebnisse eingefahren haben. Nach ausführlicher Befragung zu den sportlichen Aktivitäten unterziehen wir die Probanden einer Leistungsdiagnostik, die uns Aufschluss über das Leistungsprofil und den Stoffwechsel, also die Verteilung der Maximalleistung in aerober und anaerober Kapazität bzw. in Grundlagenausdauer und Stehvermögen ergibt. Das Trainingsprinzip des HIT zeigt in allen Fällen einen hohen Erfolg, in denen die Grundlagenausdauer stimmt. Verfügt der Proband also über eine hohe aerobe Kapazität, so können durch Umstellung des Trainings mit hochintensiven Trainingseinheiten weitere Leistungsreserven „angezapft“ werden, was letztendlich eine Steigerung der Leistung auch in Langstreckendisziplinen bringt.

Wie kamen sie aber zu dieser hohen aeroben Kapazität?

Das geht nur durch einen hohen Trainingsumfang, und das haben alle Testpersonen durch viele Trainingskilometer im lockeren, sauerstoffreichen (aeroben) Bereich erworben, die sie in der Vergangenheit fleißig abspulten.
Im Umkehrschluss kann die HIT-Methode deswegen nicht jedem empfohlen und vor allem nicht als allgemein gültige „neue“ Trainingsvariante gepriesen werden. Beim Großteil der Hobby- und auch ambitionierten Sportler finden wir in der Leistungsdiagnostik hohe anaerobe Fähigkeiten, was Zeichen eines zu intensiven Ausdauertrainings ist, wodurch der Trainingserfolg auf der Strecke bleibt. Richten sich diese Sportler nach den Pauschalempfehlungen für ein HIT-Training und setzen zu deren ohnehin schon hoch entwickeltem Stehvermögen noch harte Intervalle drauf, bleibt im weniger schlimmen Fall der Trainingserfolg aus, häufig trainieren sich diese Sportler aber in den Keller. Die Leistungsdiagnostik ist eine bewährte Methode, herauszufinden, ob der Sportler mehr von intensiven Methoden profitiert oder aber erst an seiner Grundlagenausdauer arbeiten sollte! Das Training kann somit an die vorhandenen Stärken und Schwächen angepasst und optimal gesteuert werden.

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