Sportlerfrage: Ausdauertraining als natürlicher Betablocker

Ein Artikel von Dipl.-Sportlehrer Markus Weber

Sport ist ein hochpotentes Medikament, erhöhte Blutdruckwerte zu senken. Allerdings müssen hier einige Dinge beachtet werden. Zunächst sollte man etwas Geduld haben. Meist verhalten sich die Blutdruckwerte so, dass diese direkt nach der Trainingseinheit besser sind als vor dem Workout. Das ist aber leicht nachvollziehbar, wenn man von einem stressigen Arbeitsalltag nach Hause kommt, noch angespannt ist, die Laufschuhe schnürt und dann seine Entspannung draußen im Wald findet. Ein langfristiger absenkender Effekt auf die Blutdruckwerte tritt allerdings erst nach 2-3 Monaten ein.

Was gilt es beim Bewegungsprogramm mit erhöhten Blutdruckwerten zu beachten?

Entscheidend für den Erfolg ist mit Sicherheit eine gezielte Belastungssteuerung, also ein Training mit den richtigen Pulswerten. Vorsichtig sollte der Betroffene mit Pulsformeln sein, da diese auf viele Menschen nicht zutreffen und gleichzeitig die erhöhten Blutdruckwerte nicht berücksichtigen. Das kann nur in einer Ergometrie mit Stoffwechselerfassung, wie wir dies in der Leistungsdiagnostik mit sportmedizinischem Check-up machen, erfasst werden. Hier sehen wir punktgenau, wie das Blutdruckverhalten unter Belastung ist und ab wann der Proband in zu hohe Blutdruckbereiche kommt. So können aufgrund der Stoffwechselsituation sowie der Blutdruckwerte sinnvolle Pulsgrenzen für das Training festgesetzt werden.

Krafttraining auch mit Bluthochdruck?

Neben dem Ausdauertraining wird auch vermehrt das Krafttraining für Hypertoniker (= Leute mit Bluthochdruck) diskutiert. Viele Studien konnten auch beim Kräftigungstraining positive Effekte auf den Blutdruck nachweisen. Natürlich macht es Sinn, neben der Optimierung der Stoffwechselprozesse im Training auch der Muskulatur mit Kräftigungseinheiten Rechnung zu tragen. Aber auch hier sollten bei Menschen mit hohem Blutdruck keine zu hohen Belastungen angesetzt werden, um exzessive Blutdruckspitzen zu meiden. Vielmehr macht ein Kraftausdauertraining Sinn, also Übungen mit weniger Krafteinsatz bei hoher Wiederholungszahl. Ergänzt mit Entspannungsverfahren wie Meditation, Yoga oder Progressiver Muskelentspannung wäre das Programm rund und vollendet. Gibt´s dann noch ausreichend Bewegung im Alltag (Supermarkteinkäufe zu Fuß, regelmäßige „Hunderunde“, mit dem Rad zur Arbeit etc.) wäre das Bewegungsprogramm perfekt.

Einziges Manko ist, dass körperliche Aktivität nicht bei jedem anschlägt und verbesserte Blutdruckwerte nach sich zieht.

Wenn man das Ursache-Wirkungsprinzip näher ansieht, ist das aber durchaus nachvollziehbar: Denn der essentielle Bluthochdruck (bei 90 % der Betroffenen) ist ein multifaktorielles Geschehen. Die Genetik spielt in der Entstehung eine Rolle; wenn also Großvater und Vater schon Bluthochdruck hatten, hat auch der Sohn ein erhöhtes Risiko. Entscheidend ist vor allem die Lebensweise: zu hohes Körpergewicht, hohe Stressexposition und schlechte Stressverarbeitung sowie ungesunde Ernährung sind wesentliche Faktoren, die die Entstehung eines Bluthochdrucks begünstigen. Wird jetzt nur an einer Schraube – dem Bewegungsprogramm zur besseren Stressverarbeitung – gedreht, um den Bluthochdruck zu bessern, kann die Wirkung sehr mager sein oder gar ausbleiben. Eine ganzheitliche Behandlung, wie oben beschrieben, sollte also die weiteren Faktoren berücksichtigen.

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