Ein rollender Stein setzt kein Moos an

Ein Artikel von Dipl.-Sportlehrer Markus Weber

Körperliche Aktivität und Bewegung haben eine Vielzahl an positiven Effekten auf den Körper, die besonders für den älter werdenden Menschen wichtig werden.

Dass der Sport ebenso auch auf das Gehirn wirkt, ist nicht völlig neu, inzwischen wissenschaftlich durch immer mehr Studien belegt und nachgewiesen. Denn alles, was wir tun, hat eine Wirkung auf das Gehirn: Es steuert die Bewegungsabläufe und wird somit gefordert. Damit das Hirn gut arbeiten kann, kommt es vor allem in den betroffenen Arealen zur Durchblutungssteigerung. Bewegungsprogramme haben beispielsweise bei Depressionen einen gleichwertig hohen Effekt wie die medikamentöse Therapie: Also egal ob der Arzt dem Schwermütigen ein paar Pillen über den Tisch schiebt oder ihn raus in den Wald schickt, es wird ihm danach besser gehen.

Angesichts der großen Verbreitung und steigenden Tendenz der Alzheimer-Demenz konzentriert sich die wissenschaftliche Forschung in den letzten Jahren verstärkt auf dieses Krankheitsbild.

Die Alzheimer-Demenz ist geprägt durch den Verlust von Denken, Erinnern, Orientierung und Verknüpfen von Denkinhalten. Angesichts der Zahlen besteht dringender Handlungsbedarf: Jährlich erkranken 300.000 weitere Menschen an Demenz, insgesamt sind es laut Angaben vom Prof. von Arnim an der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Ulm 1,5 Millionen. Prof. Von Arnim, die auch eine Gedächtnis-Ambulanz am Universitätsklinikum leitet, führt weiter aus, dass gewisse Medikamente (sog. Cholinesterase-Hemmer) es schaffen, die Demenz im Anfangsstadium für ein halbes, höchstens ein Jahr hinauszuzögern.

„Eine Änderung des Lebensstils scheint nachhaltiger zu sein“.

Es ist daher nie zu spät, mit einem Bewegungsprogramm zu beginnen, zumal neben den Effekten auf den Gehirnstoffwechsel gleichzeitig eine Vielzahl an körperlichen Verbesserungen erschlossen werden kann.

Auch der Volksmund, der ja meist altes überliefertes Wissen transportiert, zeigt es uns auch ohne wissenschaftliche Studien: „Wer rastet, der rostet“ ist z.B. ein vielgehörter Spruch. Auch die Weisheit „ein rollender Stein setzt kein Moos an“ deutet darauf hin, wie wichtig Aktivitäten für Körper, Geist und Seele sind. Dass ein Bewegungsprogramm das Risiko von Alzheimer und Demenz senken kann, zeigen viele wissenschaftliche Studien, da besteht ein eindeutiger Konsens. Über die inhaltliche Gestaltung eines solchen Bewegungsprogramms ist sich die Wissenschaft aber noch nicht einig. Was ist der ideale Umfang, die beste Intensität und gar die erfolgreichste Sportart, um das Demenzrisiko zu senken? Einfach gehalten lohnt da ein Blick in das frühere Leben des an Demenz Erkrankten: Denn Bewegungsabläufe bleiben im Langzeitgedächtnis erhalten.

Was hat der Betroffene also immer gerne gemacht? Diese Bewegungskompetenzen sollte man fördern und vorantreiben.

Betrachtet werden sollte ebenfalls nicht nur der präventive Aspekt auf die nachlassende Gehirnfunktion, sondern die weiteren vielfältigen positiven Aspekte einer sportlichen Aktivität im Alter: Kräftigungs- und Koordinationsübungen senken neben den Effekten auf das Gehirn das Sturzrisiko des Seniors, das sollte in einem Bewegungsprogramm immer enthalten sein. Ausdauersport wie zügiges Gehen, Wandern, (Nordic) Walking, Radfahren oder gar Joggen (falls die Fitness ausreichend gut ist) stärken neben den Effekten auf den Gehirnstoffwechsel das Herz, die Lunge arbeitet besser und über die Verbesserung des Fettstoffwechsels werden die Senioren überschüssige Pfunde los.

Äußerst wichtig ist auch der Spaß-Faktor:

Ein Tanzprojekt von Kleinstück und Stallnig in Köln zeigte, wie viele positive Effekte nicht nur auf körperlicher, sondern auf geistiger und (wichtig auch!) sozialer Ebene erzielt wurden. Gerade das Miteinander ist für viele mit nachlassender Gehirnleistung wichtig: Sie haben Anteil an etwas und gehören dazu. Und das nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern vor allem auch für die Angehörigen, die teils massiv unter der Situation leiden.

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