Altersdemenz – wenn die Denkleistung nachlässt

Haben wir nicht alle ein wenig Angst davor, im Alter nicht mehr selbständig sein zu können oder gar unseren Verstand zu verlieren? Sicherlich hängt das von unserem aktuellen Alter ab, denn welcher Jugendliche beschäftigt sich schon mit dem Gedanken, ob er irgendwann einmal an Alzheimer erkranken wird. Und bestimmt spielt es eine Rolle, ob wir die Erfahrung, dass ein Angehöriger an Demenz erkrankte, in der Familie machen mussten.

In Deutschland sind nach Angaben des Bundesfamilienministeriums derzeit rund 1,3 Millionen Menschen dement.

Nach Schätzungen wird es in Deutschland bis zum Jahr 2050 eine Verdopplung der Demenzerkrankten geben. Vor allem die steigende Lebenserwartung spielt hier natürlich eine wesentliche Rolle, ferner aber auch ein ungesunder Lebenswandel mit schlechter Ernährung und wenig Bewegung.
Es ist sicherlich erstrebenswert, bis ins hohe Alter selbstbestimmt und gedankenklar durch das Leben zu gehen und sozusagen (lt. Wortlaut von Dr. Willi Heepe, leitender Arzt des Berlin Marathons) „fit in die Urne“ zu kommen, körperlich wie geistig. Doch können wir das beeinflussen? Spielt der Sport hier eine Rolle?

„Die Forschung zum Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und der Verbesserung kognitiver Funktionen ist vor dem Hintergrund der Altersstrukturentwicklung der Bevölkerung besonders bedeutsam“,

beginnen die Autoren Schulz, Meyer und Langguth vom Universitätsklinikum Hamburg Ihre Ausführungen zu kognitiven Effekten in Bezug zu körperlicher Aktivität. Denn sollte hier ein wesentlicher Einfluss zwischen Bewegung und der Entwicklung einer Demenz bzw. eines Alzheimers bestehen, sollte es unabdingbar sein, das Bewegungsverhalten bereits im Kindes- und Jugendalter zu fördern, um frühzeitig dieser Entwicklung entgegenzuwirken.
Inzwischen gibt es einige Forschungsarbeiten in diesem noch eher neuen Gebiet der Sportmedizin, die schon eindeutige Effekte nachweisen konnten. Hamer und Chida fassten hierzu in einer sog. Metaanalyse 16 Studien zusammen, was mit einer Probandenzahl von 163.797 durchaus relevante Ergebnisse ergibt. Sie konstatieren: „Das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, war für körperlich Aktive um 28 % geringer, an Morbus Alzheimer zu erkranken sogar um 45 %“. Da lohnt es sich doch, sportlich aktiv zu sein!

Welche Trainingsform jedoch die effektivste und wirksamste ist, konnte in den bisherigen Studien und Metaanalysen noch nicht eindeutig festgestellt werden. In einer Studie der Uni Bochum konnte lediglich nachgewiesen werden, dass Ausdauersport (Marathonläufer und Triathleten) in zwei Hirnregionen (SMA = supplementär motorisches Areal und Hippocampus) Anpassungen der grauen Substanz hatten, bei Kampfsportlern (Karate und Judo) nur in einem Bereich Veränderungen messbar waren. Hinsichtlich der Dosierung des „Medikaments Sport“ bezüglich Intensität und Dauer bleibt der „Beipackzettel“ noch weitgehend leer, lediglich Ausdauerbelastungen scheinen vorteilhaft zu sein.

Das Risiko von Demenz und Alzheimer ist mit Sport also geringer, weswegen sich die Frage stellt, ob mit Bewegung und Sport auch ganz gezielt vorbeugend gegen diese Erkrankungen gearbeitet werden kann. Das wiesen Aarsland et al. in einer Metaanalyse nach, indem sie „ein um 38 % geringeres Risiko für körperlich aktive Personen feststellten.“
Was macht der Staat? Schulsportstunden werden gekürzt, die Schwerpunkte weniger auf die Bewegung denn auf andere Fächer gelegt. Schade eigentlich, denn gerade in diesem Alter werden die Basics für eine gesunde Entwicklung gelegt! Uns geben die Studienergebnisse den Auftrag, für ein gutes Bewegungspensum der Menschen zu sorgen und die Ohren weiter offen zu halten, welche Bewegungsform für die Prävention von Demenz und Alzheimer nun die Effektivste sein wird. Wir halten Dich auf dem Laufenden!

Literatur:
1) Bewegung: Hüter, G.: „Sich zu bewegen lernen heißt für´s Leben lernen.“ http://www.gerald-huether.de
2) Ernährung: Alzheimer-Prävention mit Stoffen aus der schwarzen Johannisbeere.“ http://www.aerztezeitung .de
3) Medizin: Schulz, K.-H., Meyer, A., Langguth, N.: Körperliche Aktivität und psychische Gesundheit. Bundesgesundheitsbl. 2012
4) Hamer, M., Chida, Y. “Physical activity and risk of neurodegenerative disease: a systematic review of prospective evidence”. Psychol. Med 2009
5) Aarsland, D., Sardahaee, FS., Anderssen, S. et al: “Is physical activity a potential preventive factor for vascular dementia? A systematic review.” Aging Ment Health 2010

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s