Intuitiv alles richtig gemacht – die Diagnostik bestätigt es!

Holger (42) kam vor kurzem zu uns ins Diagnostikzentrum in Scheidegg zu seiner ersten Stoffwechsel- und Leistungsdiagnose. Bisher hatte er sein Training und auch die Auswertung seiner Trainingsdaten in Eigenregie geführt. Uns interessierten Holgers Beweggründe, eine Diagnostik zu machen. „Im Grunde genommen hat mir meine Freundin Lisa den Schubs gegeben“, lacht er. „Sie meinte, wir zeichnen akribisch sämtliche Daten wie Höhenmeter und Pulswerte unserer Läufe auf, da passt es einfach nicht, dass ich noch nie bei einer Diagnostik war.“ Und Zeit genug wäre theoretisch gewesen, denn Holger läuft bereits seit 20 Jahren, erst ohne große Ambitionen und im Laufe der Zeit kamen dann immer mehr Wettkämpfe dazu – 10 Kilometer, Halbmarathon, Marathon – im letzten Juni war er sogar bei den Bieler Lauftagen dabei. 100 Kilometer in 8 Stunden und 42 Minuten – mit dabei als Fahrradcoach: Lisa. „Das war ein spannendes erstes Date“, schmunzelt sie, „auf 100 Kilometern lernt man den anderen wirklich kennen.“ Nachgedacht über eine Diagnostik habe er schon öfters, „aber je länger man in Eigenregie trainiert, desto mehr Respekt hat man vor eventueller Kritik und den Auswirkungen auf das eigene Training.“ Schließlich habe er sich immer gut gefühlt und deswegen die Notwendigkeit einfach nicht gesehen.

Das Vorgespräch

Bei uns angekommen muss Holger erst mal Rede und Antwort stehen. Unsere Mitarbeiterin Anke führt Protokoll und geht mit ihm den ausführlichen Anamnesebogen durch. Wieviele Kilometer pro Woche läuft er? In welcher Intensität? Werden Alternativsportarten ausgeübt? Wie sieht es mit dem Stretching aus? Und natürlich werden auch eventuelle Beschwerden abgefragt. Wichtig sind auch die Ziele. Wo soll es hingehen? Holgers Ziel für dieses Jahr ist ein 24-Stunden-Lauf im Saarland zugunsten eines guten Zwecks, den seine Freundin Lisa Willms organisiert. Es sollen so viele Runden wie möglich gelaufen werden, um den Förderverein für altersübergreifende Palliativmedizin e.V. zu unterstützen. „Laufen fürs Leben“ (Link: http://laufenfuersleben.de), nennt sich die Veranstaltung und Holger sieht dem Termin Ende April entspannt entgegen. „Es ist ja kein Wettkampf und außerdem für einen guten Zweck“, meint er, als ihm Mitarbeiterin Claudia die Elektroden für das Ruhe-EKG anlegt. Hinterher wird noch Holgers Lungenfunktion getestet und er darf pusten, was das Zeug hält.

Lungencheck ok!

Nach dem Gesundheitscheck mit Blutbild durch Dr. Schmidt geht es langsam los. Mit 8 km/h beginnt Holger, auf dem Laufband zu laufen. Gesichert ist er durch einen Brustgurt, der an der Decke fixiert ist. Denn es kann durchaus etwas flotter werden heute. „So 18 – 20 km/h denke ich, werden wohl die Grenze sein“, vermutet Holger.

3 Minuten wird auf jeder Stufe gelaufen, dann eine kurze Pause, in der Anke ein wenig Blut aus Holgers Ohrläppchen nimmt. Claudia misst inzwischen den Blutdruck. Immer wieder muss Holger auch die Atemmaske für die Spiroergometrie aufsetzen und durch den Mund atmen. „Bei zunehmender Geschwindigkeit eine kleine Herausforderung“, gesteht er hinterher.
Doch auch bei 16 km/h strahlt Holger noch und gibt das subjektive Empfinden anhand der BORG-Skala mit „anstrengend“ an. Um ihn herum wird fotografiert und gefilmt. Lisa und wir wollen alles festhalten. Holger lacht und meint in der kurzen Pause, jetzt bräuchte er dann langsam etwas Unterstützung. Handykameras und Digi-Cams werden also beiseite gelegt und Holger bekommt Motivation, wird bei 18 km/h 3 Minuten lang ins Ziel geklatscht. Auf die Frage, ob wir Schluss machen sollen, nickt er. „Oder sollen wir die 20 km/h noch versuchen? Du kannst jederzeit abwinken und wir schalten das Laufband ab“, erklären Claudia und Anke. „Da bräuchte ich erst noch eine Verschnaufpause“, meint Holger. „Das gibt’s bei uns nicht“, lachen die Mädels und Lisa ist auch der Meinung: „Da geht noch was!“

Holger auf dem Laufband - mit Unterstützung!

1 Minute lang saust Holger mit 20 km/h über das Laufband, angefeuert von vier Frauen und für einen Moment sieht es wirklich so aus, als würde er fliegen. Dann winkt er ab. „Es reicht jetzt.“ Nach dem ruhigen Ausklang auf dem Laufband und der erholsamen Dusche hinterher sieht die Welt schon wieder anders aus. Und als wir gemeinsam bei einem Stück Kuchen sitzen, fragen wir abschließend, was es ihm gebracht hat. „Die Ergebnisse haben mich in meinem eigenen Körpergefühl bestärkt. Ich habe intuitiv alles richtig gemacht und auf meinen Körper gut gehört. Und das schwarz auf weiß bestätigt zu bekommen und zu wissen, dass alles im grünen Bereich ist, ist ein sehr gutes Gefühl. Außerdem hat es mich darin bestätigt, dass sich meine Ernährungsumstellung von vegetarisch auf vegan vor 6 Monaten nicht negativ sondern sogar positiv auf meine Leistungsfähigkeit ausgewirkt hat. Das war mir enorm wichtig, zu wissen.“

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Medizin / Wissenschaft: Sind Frauen und Männer unterschiedlich trainierbar?

Bis zum Alter von 12 Jahren gibt es hinsichtlich der Trainierbarkeit keine Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Doch dann kommt bei den Jungs der erste Testosteronschub, der eiweißaufbauende Wirkung hat und sich beim Heranwachsenden durch verstärkte Muskelbildung zeigt. Daraus ergeben sich dann in der Pubertät vor allem im Kraftbereich deutliche Unterschiede der Geschlechter, der dann im Alter zwischen 20 und 30 seinen Höhepunkt erreicht.

Doch wie sieht´s im Bereich der Ausdauer aus? Können Frauen die Männer bei Langzeitausdauerbelastungen irgendwann einholen? Brian Whipp und Susan Ward haben 1992 in der Fachzeitschrift „Nature“ den provokanten Artikel „Laufen Frauen bald schneller als die Männer?“ veröffentlicht. Nach ihren Berechnungen aus der Analyse der Weltrekorde in fünf olympischen Laufdisziplinen sollten sich die Laufzeiten in allen Disziplinen bis 2050 angeglichen haben. Ist das möglich? Unberücksichtigt bleibt bei den Berechnungen von Brian Whipp und Susan Ward, dass Frauen noch nicht so lange zu Langstreckenläufen wie dem Marathon zugelassen wurden. Bei geringerem Leistungsniveau können aber größere Fortschritte gemacht werden, was sich in einer Analyse der Zielzeiten zeigt.

Auch bei Ausdauerbelastungen spielt das männliche Sexualhormon, das Testosteron, eine entscheidende Rolle. Hier haben die Männer einen zehnmal höheren Anteil als die Frauen. Und mit einem hohen Anteil an stoffwechselaktiver Muskelmasse, die durch das Testosteron ermöglicht wird, lässt sich auch mehr Energie für den Körper gewinnen. Testosteron regt aber nicht nur das Muskelwachstum an, sondern auch die Bildung roter Blutkörperchen. Davon haben Männer zehn Prozent mehr Hämoglobin im Blut, der über die leistungsfähige Lunge angekommene Sauerstoff kann dann direkt in die Arbeitsmuskeln transportiert werden. Dadurch können Männer bis zu dreieinhalb Liter Sauerstoff pro Minute verbrauchen, bei Frauen liegt der Wert bei 2 Liter pro Minute. Frauen haben zudem im Vergleich zum Körpervolumen ein kleineres Herz.

Nun abschließend zur Frage, ob Frauen Männer einholen können, zitieren wir die Norwegerin Grete Waitz, die in den 70er- und 80er-Jahren zahlreiche Rekorde aufstellte: „Solange Frauen Frauen sind, können sie Männer nicht überholen“, sagt die Norwegerin.