Von der Couch über die Ziellinie

Unsere Kundin Judith hat eine interessante Wandlung im Laufe der letzten drei Jahre durchgemacht. Für unseren Blog hat sie ihre Geschichte mit eigenen Worten aufgeschrieben:

„Im April 2012 begann für mich eine recht abenteuerliche Reise, deren Höhen und Tiefen ich zum damaligen Zeitpunkt schwer abschätzen konnte, aber das Ziel war völlig klar: Ich wollte einen Marathon laufen. Ein wenig hinderlich waren die Tatsache, dass ich rund 30 Kilo zu schwer war für meine Größe und dass ich völlig untrainiert war. Doch das Bild, das ich eines Morgens im Halbschlaf im Kopf hatte war einfach zu fantastisch, als dass ich einfach so aufgegeben hätte, ohne es zumindest zu versuchen: Denn ich sah mich selbst, schlank und sportlich, in toller, knapper Sportkleidung lachend über eine Ziellinie laufen. Und ich sah so unverschämt gut aus dabei. Mir war plötzlich klar, dass es das ist, was ich möchte: eine Läuferin sein!
Am selben Tag begann ich zu trainieren und meldete mich für einen Viertelmarathon an, der ein halbes Jahr später stattfinden sollte. Vier Monate später lernte ich bei einem Vortrag Markus Weber vom Diagnostikzentrum kennen und vereinbarte mit ihm einen Termin für eine Diagnostik. Das Ergebnis war für mich recht frustrierend, denn ich war von Beginn an mit viel zu hohem Puls gelaufen und Markus „verordnete“ mir für die nächste Zeit viel Walking statt Laufen. Doch nach kurzer Zeit war sogar das nicht mehr möglich: in meiner Anfangseuphorie hatte ich es wirklich übertrieben und mir eine Hüftsehnenentzündung zugezogen. Der Arzt meinte, ich sollte mindestens 6 Monate pausieren. Das war vielleicht ein Rückschlag! Ich nutzte die Zeit, um an meiner Ernährung zu feilen und mich selbst zu bemitleiden. Ein zweiter Besuch im Diagnostikzentrum zeigte zwar rund 20 Kilo weniger auf der Waage an, aber leistungsmäßig hatte sich nur geringfügig etwas verbessert. Dennoch war ich froh zu wissen, wo ich stand und wie ich nun vorgehen musste. Die Verletzung war verheilt und im Juli 2013 konnte ich wieder anfangen, zu laufen. Und das tat ich! Plötzlich ging das sogar schmerzfrei und ich war wie auf Wolke sieben und lief meinem Traumbild entgegen.

Judith im April 2014 und im Juni 2012 (Bildquelle: Susi Donner und alphafoto.com)
Judith im April 2014 und im Juni 2012 (Bildquelle: Susi Donner und alphafoto.com)

Gut, ich musste mir eingestehen, dass ich nie eine tolle Läuferin werden würde, denn ich merkte nach der Teilnahme an einigen Wettläufen, dass ich doch eher zum strahlenden Schlusslicht als zur Siegerin geboren bin, aber das tat meiner Freude keinen Abbruch. „Turtlerunner“ nannten mich meine Blog-Leser und Facebookfreunde liebevoll, wenn ich mal wieder Bilder von meinen Läufen postete, bei denen ich den letzten Platz belegte. Inzwischen verfolgten viele Menschen via Internet meine Geschichte und begleiteten mich virtuell auf allen Höhen und Tiefen. Im April 2014 war ich dann bei meiner dritten Diagnostik und Markus’ Reaktion auf meine Werte ließ vermuten, dass sich doch endlich mal was getan hatte. Sonst immer ruhig und besonnen, geriet Markus diesmal, man können beinahe sagen: völlig aus dem Häuschen! Ganz begeistert war er von meiner guten Grundlagenausdauer und meinte, jetzt könne ich anfangen, schnell zu laufen! Naja, ich bin ehrlich: schnell bin ich immer noch nicht. Dafür bin ich über 30 Kilo leichter, schaffe, es einen Halbmarathon zu laufen (in der für mich sagenhaften Zeit von 2 Stunden und 36 Minuten) und habe ein Buch geschrieben für Laufanfänger. Ich habe eine Plattform für Langsamläufer gegründet und es geschafft, dass Bewegung ein Teil meines Lebens geworden ist, der nichts mit Kalorien verbrennen zu tun hat, sondern mit einem tiefen Bedürfnis, mich zu bewegen. Wen interessiert es da, wie schnell ich bin? Aber wer weiß, was passiert, wenn ich mich das nächste Mal mit Markus treffe und eine Diagnostik mache.

Sag niemals nie.“

Hier erfährst du mehr über Judiths Projekte: http://www.turtlerunner.at und http://www.veganmarathon.com

Training: Frauen laufen anders als Männer?

Laufen Frauen anders als Männer? Warum sollte das so sein, sie haben doch auch nur zwei Beine, 10 Zehen und zwei Arme zum Schwingen? Natürlich gibt es Unterschiede im muskulären Anteil, die Männer sind als urzeitmenschliche Jäger mit 10-30% mehr Muskelmasse ausgestattet, der dafür ursächliche Testosteronspiegel ist höher. Laufen die Frauen durch den geringeren Muskelanteil und den um 10 % höheren Körperfettanteil schlaffer? Frauen haben auch eine andere Körperkonstitution, sie sind im Durchschnitt kleiner, haben schmalere Schultern und kürzere Extremitäten, der Körperschwerpunkt ist tiefer, das Becken ist breiter als beim Mann, X-Beine sind häufiger. Doch ist das nachteilig beim Laufen?

Frauen sind auf der Marathondistanz zwar langsamer als die Männer, doch der Unterschied hält sich in Grenzen. Die erfolgreiche Marathonläuferin Paula Radcliffe kommt mit Ihrer Weltbestzeit von 2:15:25 Stunden (2003 in Berlin) doch recht nah an Haile Gebrselassi (2:03:59, 2008 in Berlin) heran. Bestzeit ist aktuell 2:02:57 h, aufgestellt im letzten Jahr von Dennis Kimetto beim Berlin Marathon. Frauen sind für Ausdauerleistungen von der Natur her hervorragend ausgestattet. Das liegt an ihrem Stoffwechsel, der eine gute Ausdauer ermöglicht. Vor allem bei den Ultradistanzen kommen die Frauen immer näher an die Leistung der Männer heran. Das hat die Wissenschaft lange nicht erkannt; denn bis in die 70er Jahre wurde fast ausschließlich am Mann geforscht. Frauen waren sogar von einer Marathonteilnahme ausgeschlossen, denn es wurde angenommen, dass regelmäßiges Training und vor allem Langstreckenläufe eine Unfruchtbarkeit auslösen.

Der Leiter der Landesvereinigung Gesundheit in Niedersachsen geht anders an das Thema heran: Er konstatiert: „Wir wissen aus Studien und Befragungen, dass Frauen, die sich sportlich betätigen, vor allem gesund bleiben, ihrem Körper etwas Gutes tun und ihre Figur pflegen möchten, und das möglichst in netter Gesellschaft“. Die Gesundheit scheint eines der zentralen Motive für die sportliche Aktivität der Frauen zu sein. Die Sportmedizinerin und Professorin Korsten-Reck betont, dass Mädchen und Frauen eindeutig in puncto Gelenkigkeit im Vorteil sind. Ihr Bindegewebe ist dehnbarer, das ist vor allem gut für Turnen, Tanzen und Gymnastik. Frauen profitierten aber vor allen Dingen von dem ihnen eigenen Körpergefühl, sagt die Sportmedizinerin: „Mädchen entwickeln mit der einsetzenden Menstruation eine größere Sensibilität für ihren Körper und achten genauer darauf als Jungen, was ihnen guttut.“ Genau das sehen wir Woche für Woche bei der Stoffwechsel- und Leistungsdiagnose. Die Mehrzahl der Frauen trainieren intuitiv besser als die Männer.